| Eintritt in eine virtuelle Entwurfsumgebung. David Kurmann |
Die neuen Möglichkeiten der VR verstärken den Bedarf nach einem sinnvollen und integrierten Modell für das Simulieren von Architektur - vom Entwurf bis zum Facility Management. Die Einführung von CAAD hat gezeigt, daß die geometrisch-graphische Repräsentation nur eine unter vielen Formen der Darstellung ist. Die Herstellung einer überzeugenden VR-Umgebung für die Architektur setzt extrem schnelle Hardware und intelligente Software voraus.
Ziel der Anwendung von Virtueller Realität (VR) in der Praxis ist es, einer Architektur näherzukommen, die vor ihrer Ausführung in möglichst vielen ihrer Konsequenzen bekannt und erfahrbar ist. VR basiert auf einem Modell der Wirklichkeit, das in vereinfachter Form im Computer als Datensatz vorhanden ist und mit dem die Betrachter interagieren. Dieses Modell macht Aspekte der Realität zugänglich, die verschiedene Sinne des Menschen ansprechen. VR ist eine besondere Art der Simulation. Neu ist, daß das zugrunde liegende Datenmodell interaktiv zu explorieren ist und die Kombination der Simulationen eine Fülle neuer Eindrücke erlaubt.
Die beiden bedeutendsten Charakteristika der VR sind Interaktion und Immersion. Interaktion bedeutet, die Objekte direkt im virtuellen Raum manipulieren zu können, Immersion, das Gefühl zu haben, von einem virtuellen Raum vollkommen umschlossen zu sein. Erreicht wird dies entweder mit VR-Helmen (Head Mounted Displays, HMD) oder durch Großprojektion in Stereo. Es ist wichtig, daß VR in der Architektur nicht eine Technik für das Individuum wird, sondern daß sich mehrere Beteiligte in Virtueller Architektur bewegen und mit ihr interagieren können.
Die Architektur ist ein natürliches Anwendungsgebiet der VR. Jeder Plan, jede Perspektive versucht bei den Betrachtern eine Illusion zu erzeugen, die mit einfachsten Mitteln eine möglichst vollständige architektonische Aussage macht. Allerdings verstehen die wenigsten Laien die Sprache der zwei- und dreidimensionalen Abstraktion genügend, um auf dieser Basis neue Projekte fundiert beurteilen zu können. Noch weniger werden dadurch die Zusammenhänge zwischen Form, Funktion, Verhalten und Kosten genügend klargestellt und abschätzbar. Ein virtuelles Modell mit hohem Realitätsgrad, das all diese Aspekte in integrierter Form berücksichtigt und die Betrachter in jeder beliebigen Art erkunden können, ist deshalb eine große Hilfe.